Rückblick zur Fachtagung Gartenbau in Nürnberg-Neunhof
Ansprechpartner für Biodiversität: Die Gärtnerei – wer sonst!

Gruppenbild der Referenten. Zoombild vorhanden

© alle Fotos: Clemens Sonntag

Rund 70 Teilnehmer folgten im Februar 2019 der Einladung zur Fachtagung des Gartenbauzentrums (GBZ) Bayern-Mitte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Fürth und des Erzeugerrings für Blumen und Zierpflanzen Mittelfranken e.V.
Unter dem Titel "Die Gärtnerei – wer sonst!" wurden Möglichkeiten aufgezeigt, sich als Ansprechpartner für Biodiversität zu profilieren. Themen der Fachvorträge waren ökologische Ausgleichsmaßnahmen vor der Haustür, bewährte und neue Gemüsesorten für den Endverkaufsbetrieb, Biodiversität im Zusatzsortiment, Social Media und ein Praxisbeispiel für einen Onlineshop.
Biodiversität - Herkunft und Aktualität
Uta Hübner, Betriebswirtschaftsberaterin am AELF Fürth definierte den Begriff "Biodiversität": bios aus dem Griechischen für Leben und diversitas aus dem Lateinischen für Vielfalt. Dies beinhalte die Vielfalt von Lebewesen, Pflanzen und Ökosystemen. Die Themenjahre der Landwirtschaftsverwaltung in Bayern 2019 und 2020 seien der Biodiversität gewidmet und auch in der öffentlichen Wahrnehmung spiele das Thema eine große Rolle. "Wenn nicht Sie, die Gärtner, das Fachwissen haben, wer sonst?", appellierte Hübner an die Tagungsteilnehmer.
Reinhard Witt spricht zum Publikum
Biodiversität und Artenschutz mit heimischen Pflanzen
Der naturnahe Gartenplaner Dr. Reinhard Witt ging auf Möglichkeiten und Grenzen von ökologischen Ausgleichsmaßnahmen vor der Haustür ein. So könnten alle gärtnerisch gestalteten Lebensräume im Siedlungsbereich grundsätzlich naturnah oder wenigstens naturnäher sein. Vorteile seien laut Witt eine umweltschonende und ressourcensparende Anlage und Pflege, wobei der Garten gleichzeitig Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen bieten könne.
Ungenutzte oder schwierig zu bewirtschaftende Flächen auf dem Gärtnerei-Gelände könnten umgestaltet werden. Als Beispiel im Knoblauchsland führte Witt die Flächen zwischen neu gebauten Gewächshäusern bei Gemüse Höfler GbR als Kompensationsflächen an. Dabei konnten z. B. Lebensräume für Ortolan, Wildbienen oder Feldlerchen geschaffen werden. Mit der Anlage von Blühflächen rund um die Gewächshäuser bestünde auch für Einzelhandelsgärtnereien die Möglichkeit, sich den Kunden beim Thema Artenvielfalt als kompetente Ansprechpartner zu präsentieren.
Thomas Jaksch hält Mikrophon
Vielfalt im Gemüsebeet
Bewährte und neue Gemüsesorten für den Endverkaufsbetrieb präsentierte Thomas Jaksch (ehemals Hochschule Weihenstephan-Triesdorf). Es sei wichtig, dem Kunden gut schmeckende und robuste Sorten anzubieten, die gleichzeitig auch hohe Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge aufweisen. Bei den Tomaten seien dies für Balkon oder Terrasse z. B. die Sorte "Romello F1" oder die gelbe Tomate "Balconi Yellow". Diese wurden in Freilandversuchen an der HSWT getestet und überzeugten.
Um nicht nur klassische Gemüsearten wie Tomaten, Gurken oder Paprika im Sortiment zu haben, empfahl Jaksch den Gärtnern, auch Raritäten anzubieten.

Neuheiten wären hier z. B.:

  • Birnenmelone "Pepino"
  • Litchitomate "StarBenas ®"
  • Aubergine "White Egg" (weiße Früchte)
Auch im Bereich Wurzelgemüse gebe es mit der Süßkartoffel, Yacon oder der Pastinake neue oder „wiederentdeckte“ Arten und Sorten, die den Speiseteller bereicherten. So könne jeder Hobbygärtner in seinem eigenen Gemüsebeet für eine große Vielfalt sorgen.
Biodiversität im Zusatzsortiment – Die Gärtnereien als Ansprechpartner
Die Gärtnereien bieten den Kunden eine Vielzahl von Pflanzen, Samen und Zusatzartikeln und sind daher kompetente Ansprechpartner für Biodiversität und Naturschutz. Wie dies in der Kundenansprache aktiv genutzt werden kann, darauf ging Claudia Taeger vom AELF Fürth ein. So sollten Pflanzen, die für die Artenvielfalt besonders wichtig sind, von der Masse der Pflanzen abgehoben werden. Bei Sämereien/Wiesenmischungen empfahl Taeger, nur "wenige, aber gute Mischungen" anzubieten. Getestet werden diese z.B. an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, die dann auch Empfehlungen herausgibt.

Mit Slogans oder Schlagworten könnten auch Gärtnereien ihre Kunden aktiv ansprechen und für mehr Artenvielfalt werben - Beispiele:

  • Entsteint euch!
  • Jeder m² zählt!
Zusatzsortimente
Weitere Zusatzsortimente sind Futterhilfen, Nistkästen oder Insekten-Hotels, die in jedem einzelnen Privatgarten Raum für viele Tierarten bieten. Dabei ist darauf zu achten, dass nur hochwertige und sinnvolle Angebote das Sortiment ergänzen. Eine gelebte Artenvielfalt durch Demonstrationen, Gestaltungsvorschläge und Zusatzinformationen schaffe Authentizität für die Gärtnerei aus Sicht des Kunden.
Tue Gutes und poste es – Social Media und Co.
In Deutschland verbringen die Menschen täglich 196 Minuten online, bei der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 353 Minuten. Um im Internet die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen, sei es für Gärtnereien besonders wichtig, ein positives Image im Kopf ihrer Kunden zu verankern, betonte Angelika Lell vom AELF Fürth. Über Social Media wie Facebook oder Instagram könne sich eine Gärtnerei auch als Experte für Biodiversität darstellen. Dies laufe vorrangig über Bilder, Videos und kurze Texte, die dann Emotionen beim Betrachter wecken.

Beispiele für das Thema Biodiversität könnten sein:

  • Videos aus dem Tagesgeschehen wie "Es wimmelt im Staudenbeet",
  • ein Quiz "Welcher Falter saß gestern auf unserer Echinacea?"
  • ein Bild von blühenden Betriebsflächen in der Gärtnerei
Dabei müsse man die rechtlichen Rahmenbedingungen beachten, die ein planvolles Vorgehen erforderten, damit es zu keinen Problemen komme. Auch die Interaktion mit dem Kunden sei vor allem im Social Media-Bereich sehr wichtig, indem der Gärtner auf Kommentare, Fragen oder Anregungen reagiere. Lell schloss mit dem Appell, das Potenzial von Social Media zu nutzen. Wichtig sei vor allem viel Freude bei der Umsetzung.
Onlineshop für Einzelhandelsgärtner
Auf die Frage, wie in der heutigen Zeit vor allem junge Kunden erreicht werden können, gingen Gerhard Hauner und Renate Burkert von 1A Garten Hauner in Regensburg ein. Um dies zu erreichen, richtete Hauner über die Firma Volmary® einen Onlineshop für seine Gärtnerei ein und nutzt diesen zusammen mit einem Facebook-Auftritt in der Kundenansprache. Hierbei nehme der Onlineshop die Funktion eines reinen Marketinginstrumentes ein. Wichtig sei es, den Onlineshop gut zu füllen und zu pflegen. Die Logistik sei ein Mix aus Versandhandel und regionalem Lieferservice. Wichtigstes Standbein für Hauner bleibe aber der stationäre Verkauf. Durch den Onlineshop und weitere Marketingaktivitäten sollen Anreize für den Kunden geschaffen werden, in die Gärtnerei zu kommen.

Ansprechpartnerin

Gundula Holm
AELF Fürth
Jahnstraße 7
90763 Fürth
Telefon: 0911 99715-413
Fax: 0911 99715-600
E-Mail: poststelle@aelf-fu.bayern.de