Informationen und Checkliste
Energiesparende Maßnahmen in bestehenden Gewächshäusern

Gewächshaus von innen mit Ventilator

© Sebastian Olschowski

Etwa 30 % der in Deutschland betriebenen Gewächshäuser sind älter als 25 Jahre. Die damals verbaute Technik genügt den heutigen Ansprüchen an eine energiesparende Pflanzenproduktion nicht.

Um die Kosten zu senken, denken viele Gärtner trotz der zum Teil erheblichen Investitionskosten über einen Brennstoffwechsel nach. Energiesparender zu produzieren ist aber auch ohne die Umstellung der Heizanlage möglich. Die Optimierung der bereits installierten Technik, kleinere Investitionen oder eine höhere Flächenausnutzung können die Energiekosten enorm senken. Der Wechsel zu einem anderen Energieträger sollte erst durchgeführt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten vollständig ausgereizt und keine weiteren Einsparpotentiale im Betrieb vorhanden sind.

Gewächshaushülle

Konstruktion:
Sprossen sowie Steh- und Giebelwände haben direkten Kontakt mit der Umwelt. An diesen Stellen kann viel Energie an die Umgebung abgegeben werden. Um dies zu verhindern, sollten isolierte Sprossen eingesetzt werden. Ebenfalls sollten Steh- und Giebelwände isoliert werden. Dazu bietet sich beispielsweise Noppenfolie an, die außen an den Stehwänden angebracht wird. So kann eine Einsparung von bis zu 40 % erreicht werden (bezogen auf die isolierte Fläche), bzw. 8 % auf den Gesamtenergieverbrauch.
Fundamente:
Ein großer Teil der Energie kann durch das Fundament an die Umwelt abgegeben werden. Zur Außendämmung bieten sich Wärmedämmplatten aus Polystyrol an. Die maximale Energieeinsparung, in Bezug auf die behandelte Fläche, kann bis zu 70 % betragen.
Verglasung:
Die Außenhülle sollte regelmäßig gereinigt werden damit genügend Energie über die Einstrahlung ins Gewächshaus gelangen kann. Weiterhin müssen kaputte Scheiben ausgetauscht werden. Durch eine zerbrochene Scheibe entsteht ein Kamineffekt, der die warme Luft regelrecht nach Außen saugt. Eine regelmäßige Überprüfung und Erneuerung der Verkittung sind unumgänglich um hohe Energieverluste zu vermeiden. Möglich ist auch die Umrüstung auf eine kittlose Verglasung. So kann zwischen 10 % und 20 % an Heizenergie eingespart werden.
Der Einsatz von Gummiklemmprofilen (ca. 6 €/m² Materialkosten) kann zusätz-lich Abhilfe bei der Isolierung schaffen. Weitere Möglichkeiten sind der Einsatz von Doppelfolien (15-25 €/m²) und Stegdoppelplatten (40-60 €/m²).
Lüftung:
Durch defekte Lüftungsklappen können bis zu 20 % Energie verloren gehen. Aus diesem Grund sollte regelmäßig überprüft werden, ob alle Lüftungsklappen einwandfrei schließen. Sollte ein dichtes Schließen nicht möglich sein, muss die technische Einrichtung nachjustiert werden. In besonders windigen Regionen ist es ratsam undicht schließende Klappen mit Gummilippen nachzurüsten.
Rinnen:
Über offene Rinnen kann ein Verlust von bis zu 4 % auftreten. Um den Wärmeverlust zu mindern, werden heute oft geschlossene Rinnen verbaut. Nachträgliches Isolieren ist möglich, jedoch sollte beachtet werden, dass in schneereichen Regionen ein Abtauen dadurch erschwert wird.
Türen/Tore:
Türen und Tore sollten dicht schließen. Undichte Fugen können mit Gummilippen oder Bürsten abgedichtet werden. Außentüren können mit Hartschaumplatten gedämmt werden um den Wärmeverlust zu minimieren
Energieschirm/Schattierung:
Das größte Einsparpotential besitzen Energieschirme. Nach neusten Erkenntnissen können mehrlagige Systeme bis zu 50 % der Heizenergie einsparen. Die Dichtstellen an Zugband, Gitterbinder, Giebel und an der Schürze sollten regelmäßig auf dichtes Schließen kontrolliert werden. Durch eine Beschädigung kann die Wärme entweichen. Vorhandene Risse und Löcher können mit geeignetem Klebeband repariert werden. Bei der Installation von Energieschirmen sollte darauf geachtet werden, dass die Tuchpakete möglichst klein sind, um die natürliche Sonneneinstrahlung nutzen zu können.

Heizungsanlage

Heizkessel:
Alle Heizkessel sollten einer regelmäßigen Wartung unterzogen werden. Durch Ablagerungen kann viel Energie verloren gehen. Die jährliche Reinigung erhält die Effizienz des Kessels aufrecht. Durch Brennwertnutzung (Gas) kann 8-10 % der Heizenergie eingespart werden. Gut isolierte Kessel sor-gen zudem dafür, dass die Wärme nicht an die Umgebungsluft abgegeben wird. Insgesamt kann eine Energieeinsparung zwischen 10 % und 18 % erreicht werden.
Ausdehnungsanlage:
Die Ausdehnungsanlage sollte funktionsfähig sein. Überprüfen kann man dies, indem man testet, ob aus dem Ausdehnungsgefäß Gas oder Wasser entweicht. Entweicht Wasser, ist das Ausdehnungsgefäß defekt und muss ausgetauscht werden.
Schornstein:
Reinigungsklappen und das Abgasrohr müssen dicht sein, der Schornstein sollte über eine Isolierung verfügen. Diese mindert nicht nur den Wärmeverlust, sondern verhindert auch eine Taupunktunterschreitung der Abgase und somit Korrosionen an den Innenwänden.
Verteilanlagen:
Eine Isolierung der Verteilanlagen verhindert den Wärmeverlust an die Umwelt. Um weitere Energie einzusparen, sollte die Kesselbeimischpumpe nur bei Bedarf laufen. Geregelte Umwälzpumpen wirken den Energieverlusten zusätzlich entgegen. Vor allem in Ringleitungen wird die Leistung dem Bedarf angepasst.
Heizsystem:
Das Heizsystem sollte so angeordnet sein, dass die Wärme da an-kommt wo sie benötigt wird: im Pflanzenbestand. Dafür empfiehlt es sich eine pflanzennahe Heizung zu installieren. Bei einer Hebe-Senk-Heizung kann die Höhe optimal an den Pflanzenbestand angepasst werden. Die Wärme wird so am besten genutzt. Ein geringer Wassergehalt der Rohre ist vorteilhaft. Die Temperatur kann aufgrund des geringeren Volumens schneller an die vorherrschenden Bedingungen angepasst werden.
Wärmespeicher:
Die verwendeten Wärmespeicher und deren Füße sollten isoliert sein, um den Wärmeverlust möglichst gering zu halten.

Mess- und Regeltechnik

Temperatur/Luftfeuchtigkeit, Sensoren:
Eine Regelung kann nur funktionieren, wenn die eingesetzten Fühler einwandfrei arbeiten. Deshalb sollten Temperaturfühler immer über einen Strahlungsschutz verfügen und die korrekte Funktionsweise regelmäßig überprüft werden. Ebenso wichtig ist die Anordnung der Fühler in Pflanzenhöhe.
Klimacomputer:
Der Klimacomputer passt die Werte im Gewächshaus an die Außenbedingungen an. Aus diesem Grund ist es sinnvoll die Wetterstation regelmäßig auf korrekte Funktion zu kontrollieren. Selbstverständlich sind auch die innenliegenden Fühler wichtig um ein Klimaprogramm richtig zu fahren. Am Klimacomputer selbst sollten die Sollwerte für die entsprechenden Kulturen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Mit Regelstrategien, wie bei-spielsweise dem Weihenstephaner-Modell, können enorme Mengen an Energie eingespart werden

Inneneinrichtung/Bewässerung

Wassersparende Bewässerungssysteme:
Pflanzen benötigen für Ihr Wachstum Wasser, jedoch entzieht offen stehendes Wasser der Gewächshausluft Wärmeenergie. Das Wasser verdunstet und gibt die Energie direkt an der Außenhaut des Gewächshauses an die Umwelt ab. Um dies zu vermeiden, empfiehlt es sich, auf wassersparende Systeme wie zum Beispiel Ebbe-Flut-Systeme oder Tropfbewässerung umzustellen.
Nettokulturfläche:
Eine größere Nettokulturfläche erhöht den Bestand an Pflanzen und senkt somit die Energiekosten. Die Nettokulturfläche kann durch den Einsatz von Rolltischen, Mobiltischen oder Bodenkulturen vergrößert werden.
Umluftventilatoren:
Der Einsatz von Umluftventilatoren optimiert die Temperaturverteilung im Gewächshaus. Die warme Luft, die sich unter dem Energieschirm sammelt, wird so wieder in den Pflanzenbestand eingebracht.
Energiecheckliste
Energiecheckliste mit möglichen Maßnahmen zur Energieeinsparung für bestehende Gewächshäuser (verändert nach Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL)).

Herausgeber

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen
Gartenbauzentrum Bayern Nord

Mainbernheimer Straße 103
97318 Kitzingen
Tel.: 09321 3009-0
Fax: 09321 3009-135

Diese Arbeit wurde im Rahmen des Projektes "LandSchafftEnergie" erstellt.

LandSchafftEnergie Externer Link

Literaturverzeichnis

  • Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) – Arbeitsschwerpunkt Gartenbau
  • Labowsky H-J., Domke O., Ludewig R., Ludolph D., Schockert K. und Sennekamp W. (2007): Heizkosteneinsparung im Unterglasanbau. AID infodienst e.V., Bonn
  • Lange D., Hack G., Belker N., Brockmann M., Domke O., Krusche S., Sennekamp W. und Viehweg F-J.(2002): Rationelle Energienutzung im Gartenbau – Leitfaden für die Betriebliche Praxis. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 2002